DIE RUHE VOR DEM STURM

Eine Trouvaille war der Ausgangspunkt für diesen Film; ein Flohmarktfund: Neunundvierzig Stereoskopien. 3D-Bilder aus den Zwanzigerjahren. Private Ansichten. Familienszenen allesamt. Entstanden in Stuttgart und Esslingen. Sie zeigen das bürgerliche Glück einer scheinbar ruhigen Zeit. Die Ausflüge der Familie im eigenen Auto – offensichtlich der ganze Stolz des Fotografen – die Sommerfrische in Friedrichshafen am Bodensee, den spektakulär zugefrorenen Neckar im Winter ´29, auf dem hunderte von Menschen spazieren gehen, und natürlich die Großattraktion der Zeit: den Zeppelin. Im Mittelpunkt fast aller Stereoskopien steht Günter. Der einzige Sohn der Familie, deren Name nirgendwo vermerkt ist. Günter in seiner Kinderwelt: Auf dem Rücksitz des Opel-Cabriolets, beim Schlittenfahren, zusammen mit dem kaisertreu-steifen Großvater unter dem Weihnachtsbaum, beim Ausprobieren der nagelneuen Märklin-Eisenbahn. Günters Jahrgang muß etwa 1920 gewesen sein. Wenn der Krieg beginnt, wird er neunzehn Jahre alt sein.

Das letzte Bild ist ein Nachzügler. Es stammt aus dem Jahr 1936. Günter sieht ernst und erwachsen aus. Nachdenklich sitzt er am Fenster. Neben ihm steht der Volksempfänger. Augenscheinlich hört er zu. Sein Blick geht nach draußen…

Die Ruhe vor dem Sturm entstand in Zusammenarbeit mit dem Haus des Dokumentarfilms und wurde von der MfG-Filmförderung Baden-Württemberg und der Stiftung Kunst und Kultur der LBBW gefördert.

Musik Henrik Albrecht, Schnitt: Philipp Kässbohrer, Buch & Regie: Niko Vialkowitsch.